Reinhold Braun (Galerie Supper)

Soeben fertiggemalt. Rüde, wild, pornografisch, schmutzig. Blasphemisch attackiert Reinhold Braun (geb. 1961 in Karlsruhe, Meisterschüler von Markus Lüpertz) den guten Geschmack. In die gewohnt leuchtende, intensive, vitale Malerei einbezogen werden collagierte Elemente, Seiten aus einem Pornoheft oder textile Bestandteile, etwa ein historisches Messgewand, wie in der jüngst entstandenen Arbeit „Deus Orbit Maximus“. Reinhold Braun, der 2004 an der wichtigen Ausstellug „Land auf - Land ab“ in der Kunsthalle Würth teilnahm, ist direkt: Die Farbe kommt aus der Tube, das politisch Unkorrekte aus einem Querkopf: Die Wahrheit des Ich gegen eine globalisierte, standardisierte, entindividualisierte Welt.

 Franz Littmann


(Reinhold Braun, „Sauvage“, Galerie Supper Pforzheim, 24.5. bis 18.6.)

 

Quelle: Klappeauf 06.2005

 

Bilder mit beachtlich bunter Kraft
Der Maler Reinhold Braun stellt in der Pforzheimer Galerie Supper aus

 

 

„Wildes“ von Reinhold Braun ist in der Goldstadt bis zum 18. Juni zu sehen.

 

Auch heutzutage schwingt immer noch so etwas wie geliehene Ehrfurcht mit, wenn jemand darauf verweisen kann, er sei an der Kunstakademie Düsseldorf Meisterschüler von Markus Lüpertz gewesen. So wie Reinhold Braun, dessen zumeist bunt-kräftige Bilder unter dem Titel „Sauvage“ in der Pforzheimer Galerie Supper ausgestellt werden. Das französische „sauvage“ ist mit „wild“ zu übersetzen und daran mangelt es nun dem Braunschen Œuvre ganz gewisslich nicht.

Selbst wenn die Epoche der so genannten Jungen Wilden schon längst zur marginalen Fußnote der Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworden ist – der pastose Auftrag unvermischter Farben direkt aus der Tube gilt gelegentlich immer noch als künstlerisches Mittel; die Farbspritzer im Stil des Action painting von Jackson Pollock feiern nach wie vor fröhliche Urständ, auch in etlichen Bildern von Reinhold Braun.

Dabei besteht kein Zweifel, dass Braun partienweise in seinen Großformaten bezwingende Gestaltungsmomente gelingen, sich eine formale, proportionale und koloristische Ästhetik herausschält, die für sich einnehmen kann. Beispielsweise in dem farbfreudigen Bild „Stadt (blauer Dschungel)“ , das den Lärm, die Hast, das Geruchsgemisch, die Unrast und auch die Isolation des Einzelnen in einer Großstadt widerspiegelt. Neben dem fast hügeligen Farbauftrag, der sich wie Eiszeitmoränen über die Bildebenen wellt, beherrschen oft markant-brachiale Spachtelzüge, spitzzipflige Ölfarbengebirge und breit angelegte Pinselhiebe die Braunsche Bilderwelt.

Vielfältige ikonografische, kultur- und ritualgeschichtliche Bezüge vereint hat Braun in seiner Arbeit D.O.M (Abkürzung für „Deus Orbit Maximus“), die in Collagenmanier ein im Elsass erstandenes, altes Messgewand mit einem riesigen, melonengrünen Kreuz, diversen bunt prunkenden Farbfeldern und zusätzlichen Farbspritzern überfängt und daneben noch ein zum Piktogramm reduziertes, überdimensioniertes Blumenelement setzt.

Auch sonst benutzt Braun hie und da Collagenbestandteile, sei’s ein Buchstabe aus Karton, seien’s Holzschnitte mit erotischen Motiven, sei’s ein kreisrundes Klöppelspitzendeckchen, das wie ein Radiolarienskelett in einem prächtig blau pulsierenden Farbozean herumschwimmt.

Dort, wo Braun abstrakt oder informell bleibt, kann der Künstler durch die Wucht seines Farbauftrags beeindrucken. Sobald aber eine halbwegs gegenständliche Annäherung versucht wird, wie bei dem mit umbrabrauner Farbe gestalteten Umriss einer Figur (in dem sonst durchaus imponierenden „L’homme“ – einem vorgeblichen Selbstbildnis des Malers), machen sich handwerklich-gestalterische Mängel bemerkbar. Kompositorisch hingegen sehr gut „Eclipse“, das beste Bild in dieser Ausstellung, die heute, Samstagabend, um 18.30 Uhr in Gegenwart des Künstlers eröffnet wird.

 

„Sauvage“ Bilder von Reinhold Braun, Galerie Supper, Pforzheim, Friedenstraße 19, bis 18. Juni.

Sebastian Giebenrath

http://www.galerie-supper.de/

Foto: Sebastian Giebenrath

Quelle: Pforzheimer Zeitung vom 21.05.2005

 

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