Joerg Eyfferth

 

Malerei

 

06. September 2003 bis 04. Oktober 2003

 

Karin Hoffmann - Kontny

 

 

Einleitung

 

Sich auf etwas einzulassen bedeutet sich zu entscheiden, sich Zeit zu nehmen.

Zeit, meine Damen und Herren, haben Sie hoffentlich heute Abend zu genüge in Ihrem Handgepäck.

Denn die Arbeiten des Hanauer Künstlers Joerg Eyfferth sind nicht so schnell verdaulich, wie sie vielleicht auf den ersten Blick erscheinen.

Verlangsamte Bilder – klassische Stillleben – sind es, die Sie zu sehen bekommen.

Nicht nur ein optischer Genuss, denn jeder Apfel will gründlich gekaut, das heißt betrachtet werden, bis sein Geschmack aus allen Fruchtfasern dringt und gedanklich nicht nur den Mundraum, sondern real auch den Zeitraum ausfüllt.

 

Hauptteil

 

So steckt hinter der mit geschultem Blick erkannten Oberfläche der organisch belebten wie der metallisch kalten Gegenstände in Eyfferths Arbeiten eine kleine, aber doch bedeutsame Grundphilosophie.

Diese drückt sich für den Künstler bereits im Malprozess aus.

Schritt für Schritt, in zeitaufwendiger altmeisterlicher Technik, schafft Eyffferth Ölbilder der wesentlichen Wirklichkeit ( lat. realis = wesentlich, wirklich).

Den kalten Gefäßen setzt er bewusst Dinge aus der pflanzlichen Natur entgegen: vornehmlich Äpfel sowie anderes Obst oder Gemüse, bisweilen aber auch ein Stück Wiese.

Platziert z. B. in einer Vase erscheint dem Betrachter so eine isolierte Welt.

Eine „Reagenzglaswelt“, in der die Oberflächenstrukturen der Objekte in ihrer spezifischen stofflichen Chemie miteinander in einen spannungsvollen und dabei überhaupt nicht klinisch-sterilen Dialog treten.

Vor einen undefinierbaren Hintergrund gesetzt, verweisen die so dargestellten Stillleben ganz auf die „Beteiligten“.

Die Gegenstände fangen den anfänglich noch unruhigen Blick des Betrachters ein.

Ordnen ihn.

Nichts Nebensächliches lenkt das pure Schauen ab.

Der trivial-alltägliche Apfel, der Salatkopf – sie stehen und sprechen allein für sich. Kein Paradiesapfel.

Keine bedeutungslastige Symbolik.

 

Das Schauen des verlangsamten Blicks ist die kleine Philosophie, die Eyfferth seinen ruhig-spektakulären Arbeiten zugrunde legt.

Das Sich- Einlassen als Entfaltung der Zeit.

Es ist dies eine Philosophie des Sich- Konzentrierens, die in stiller Provokation der nicht nur medialen Bilderflut, der gedankenlosen Hast, Gegenzeichen setzt.

Ohne dabei antiquiert zu wirken.

Denn der Maler Joerg Eyfferth  verleugnet den haltlos schnellen Zeitenlauf nicht.

So wenig er sich dieser Schnelllebigkeit einfach nur entzieht, so sehr setzt er in seinen Werken den fast aussagelos-sinnlos vorbeihuschenden Bildern, den versickernden Zeichen der Zeit, eigene standhafte Bilder entgegen.

 

Die Technik der Spiegelung, deren Anwendung sich für Eyfferth selbst im Zu- fall des Sehens ergab, verweist dabei auf die Wirklichkeit, aus der der verlangsamte Blick einem Zoom gleich die einzelnen Gegenstände herausgefiltert hat.

Ein Stiegenhaus, das Atelier des Künstlers, persönliches Umfeld.

Das im Spiegel Gemalte lässt in einem anderen Ort auftauchen (vgl. Franz Marc).

Es verweist auf die Normalzeit der Wirklichkeit.

Auf Orte, aus denen sich der Künstler heraus genommen hat, um sich dem Unscheinbar-Wesentlichen zu widmen.

Räume, die er den Betrachter fragend erahnen lässt.

Das  Gespiegelte ist so die Tür des zweiten Blicks, die im Raumvorbei des festgehaltenen ersten Augenblicks aus der Besinnung zurückführt in das eigentliche, in das rasant- unbesonnene Tempo der Zeit mit ihrem technischen Overkill.

 

Eyfferths Bilder sind damit flexible Möglichkeitsräume zwischen schnell-  wie langlebiger Zeit.

Sie sind Zwischenräume und Zwischenzeiten.

Denn ein Apfel ließe sich leicht als Wegzehrung mitnehmen in die Weltzeit, um eine Pause einzulegen.

Alles eine Frage der Entscheidung oder –  der Versuchung.

 

Schluß

 

Stellen Sie sich vor:

Die Zeit gerät aus den Fugen und steht für einen angenehmen Moment lang still.

Es passiert – nichts.

Wie die Zeit vergeht.

Das Tickend der Uhr kein Zeitstrudel mehr.

 

Der Himmel auf Erden!

Oder eben doch das Paradies und sein Apfel...

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein verführerisches Geschmacks- und Zeiterlebnis.

 

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