"Das Ewig-WeiblicheII"
1. April bis 06. Mai 2006
Malerei
Die Ausstellung
„Das Ewig Weibliche II“ mit Arbeiten von Naoko feiert die Schönheit. Die
Schönheit der Frauen, die Schönheit der Farbe und des Ornaments.
Im Zentrum aller Kompositionen des japanischen Künstlers steht die einzelne
Frauengestalt. Sie posiert vor starkfarbigem oder ornamentierten Hintergrund.
Der Künstler selbst betont die Bedeutung der Komposition und Einbindung der
Bildfigur in die Gesamtkomposition. Ob frontal von vorne gesehen oder seitlich,
als Rückenakt, immer nutzt die Figur annähernd den gesamten Bildraum. Die Arme
und Beine sind häufig angewinkelt, wodurch der Eindruck der Verwobenheit der
Figur mit dem Untergrund besonders deutlich wird. Es lohnt sich dieses
Verhältnis zwischen Figur und Grund etwas näher zu betrachten,
denn häufig lässt sich eine Verschränkung der Ebenen beobachten. Naokos Figuren
sind durchweg realistisch wiedergegeben und von plastischer Körperlichkeit. Das
folienhafte Allover des Hintergrundornaments wird aufgebrochen und der plastisch
herausgearbeitete Frauenkörper verschränkt sich auf magische Weise mit dem
Ornament. Naoko modelliert die Bildfigur und bindet sie in zahlreichen
Verschränkungen, durch Überlagerung, in den eher flächig-ornamentalen Grund ein.
Dieses Verweben von Figur und Ornament erinnert an Arbeiten des berühmten
Jugendstilkünstler Gustav Klimt.
Naokos Protagonistinnen erscheinen nicht vor einer Landschaft, nicht in einem Raum, sondern, wie gesagt, vor einer dekorativen Folie. Hier spielt der Künstler mit Formen aus den verschiedensten Kulturkreisen. Er lässt sich inspirieren von asiatischen Glückssymbolen ebenso, wie von maurischen Kacheln, Stoffdrucken, irisch-keltischem Ornament oder Tapisserien. Wahrhaft interkulturell oder, anders ausgedrückt, universell erscheint so das Ewig Weibliche eingebunden.
Naokos Frauengestalten sind jung, schön, mal sinnlich, mal fröhlich lächelnd. Gefeiert, oder zu Idolen erhoben, werden sie durch das Motiv des Nimbus, der stets den Kopf und die Büste hinterfängt. Der kreisrunde Heiligenschein, verleiht ihnen etwas ikonenhaftes. Begleitet werden sie durch Fische, wie in dem Gemälde „Sarah“ oder durch eine ganze Schar von teilweise kopfüber herabstürzenden Putten. Diese Puppenköpfigen, geflügelten Wesen umschwirren die, wie Heilige stilisierten Frauengestalten, oder scheinen in jähem Sturz kopfüber aus den paradiesischen Sphären zu purzeln.
Die Puppengestalt dieser Engel wird bestätigt durch zwei großformatige
Ölgemälde, in denen sie zur einzigen Bildfigur avancieren. Mit ungleich
verdrehten Gliedmaßen und leerem Blick scheint sich eine von ihnen in jähem Fall
zu befinden. Im Unterschied zu den gefeierten Frauenfiguren werden sie, die
Puppen, vom Hintergrund überschnitten. Sie erscheinen vor leuchtend farbigem,
orangen, türkisem oder pinkfarbenem Grund. Die Figur wird umrahmt von einer
sphärenhaft anmutenden, kontrastierenden Linie. Ein Arm oder Beinchen ist zur
Farbfläche geworden. Das Muster des Kleidchens setzt sich als ornamentierte
Hintergrundpartie fort. Die windmühlenhafte Komposition, die auch bereits bei
den Frauenbildern zu beobachten war, wird hier besonders deutlich.
Streng hieratisch, stehend, frontal erscheinen drei hochformatige Tafeln,
Tempera auf Holz unter dem Titel „Göttinnen“. Die Verwobenheit von Figur und
Grund wird hier nochmals gesteigert durch ein rautenförmiges Rahmenmotiv und
eine längsovale, vielleicht eiförmige Fläche, die wiederum vor die Körper der
Frauengestalten geblendet ist. Fußlos, in weit fallenden, faltenreichen
Gewändern, erscheinen sie wie christliche Heilige, zumal alle die Hände in
rhetorischen Gesten, nicht unähnlich einem Segensgestus, erhoben haben. Ihr eher
verführerischer, denn einer Heiligen gemäßer Blick und die Tatsachen, dass die
linke der Dreiergruppe auf einem Tablett einen – nun eben weiblichen, von langem
Haar umwallten, Kopf mit lang ausgestreckter Zunge hält, konterkarieren die, an
religiöse Traditionen erinnernde Darstellung und entlarven zu gleich deutlich
die Vorgehensweise Naokos.
Der gebürtige Japaner, der sein Kunststudium an der Universität in Osaka an der
Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe fortgesetzt hat, spielt mit Formen
und Zitaten unterschiedlichster Kulturkreise. Diese Vorgehensweise, Ornamente,
Formen aber auch Traditionen, wie die eben beschriebenen Anleihen aus einem
christlich religiösen Darstellungsrepertoire, erscheint unbeschwert, nicht
respektlos oder blasphemisch. Im Falle der drei „Göttinnen“ scheint Naokos
fröhlicher, fast im positivsten künstlerischen Sinne naiver Umgang mit einer
symbolischen Bildsprache, die in christlicher Tradition häufig unterdrückte
weibliche Seite aufzudecken. Der uralte Zwiespalt zwischen Heiliger und Hure,
Eva und Maria, zwischen mütterlicher, Leben gebärender und sirenenhaft,
Verderben bringender Weiblichkeit, scheint bei ihm neu formuliert.
Regina M. Fischer M.A., Kunsthistorikerin