Starke Persönlichkeiten  

Der Biennale-Künstler Uwe Pfeifer stellt bei der Galerie Supper in Pforzheim aus

PFORZHEIM. "Nein, eigentlich würde sie sich nicht gerne von Uwe Pfeifer porträtieren lassen", gibt Kunsthistorikerin Regina Fischer zu: "Ich hätte Angst, welche Charakterzüge er wohl in den Vordergrund stellen würde." Denn Uwe Pfeifer ist ein entlarvender Beobachter, der allerdings nie bloßstellt. Er entwickelt bei der Beschäftigung mit seinem zu malenden Gegenüber vielmehr ein feines Gespür für unterschwellige Persönlichkeitsebenen, für Charakterzüge, die manch einer der Abgebildeten vielleicht lieber im Verborgenen gehalten hätte. Pfeifers fast lebensgroß Porträtierte entwickeln eine ungeheuere Präsens, verfolgen den Betrachter mit ihren Blicken, halten ihn fest, um ihm ihre Geschichte zu erzählen. Der Biennale-Teilnehmer malt Menschen, die vom Leben geprägt sind, oder von den Masken, die sie in ihrem Leben zu tragen gezwungen waren. Jede Falte tief eingegraben, die Schultern oft leicht hängend, strahlen sie in den seltensten Fällen inneren Frieden oder gar Zufriedenheit aus.

Der Maler lässt seinen Porträtierten Raum zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit. In großen Querformaten werden sie häufig als Doppelbildnis gleich von mehreren Seiten hinterfragt. Doch so fordernd diese Frauen und Männer auch auf den Betrachter wirken, so sehr scheinen sie sich neugierigen Blicken zu entziehen. Denn während wie im Bild "Eva Z." die dunkelhaarige Frau sich mit der Schulter zum Betrachter dreht, weisen doch die übereinander geschlagenen Beine in den Hintergrund, steht dem offenen Blick eine geschlossene Körperhaltung entgegen. "Starke Persönlichkeiten", sagt Fischer hole man sich mit diesen Bildern ins Haus.

Sandra Pfäfflin

Die Ausstellung in der Galerie Supper, Friedenstraße 19, Pforzheim wird heute um 19 Uhr eröffnet. Sie ist bis 24. April dienstags bis freitags von 18 bis 20 Uhr sowie samstags von 12 bis 16 Uhr zu sehen.

Quelle: Pforzheimer Zeitung vom 20.03.2004

 

Bildnisse

Intuitiv erfasst oder ahnt Uwe Pfeifer (geb. 1947, 1982: Biennale in Venedig, lehrt an der HfG Burg Giebichenstein/ Halle) die Widersprüche der von ihm gemalten oder gezeichneten Person. Es sind gewisse Falten im Gesicht des Gegenübers, die ihm den Kummer, das Leiden, die Resignation verraten. Das Maskenspiel der Verstellung hat das Gesicht geprägt. Eine „aufgesetzte“ Mimik, die der Zwang zur Schau-Spielerei dem Gesicht aufgedrückt hat. Dieses „Verborgene“ bringen die Portraits von Uwe Pfeifer, der bei W. Mattheuer und W. Tübke studierte, zum Vorschein. Aber Vorsicht! Man darf sich nicht täuschen lassen. Denn Pfeifers Bilder zeigen beides: Die Sicherheit und die Unsicherheit. Das flotte Auftreten und den Menschen hinter der Zivilisationsmaske, der tun muss, was er nicht will, aber (wie ein naives Kind) alles mögliche sein kann. Man sieht auf den Portraits von Uwe Pfeifer, was G. Benn unüberbietbar poetisch formulierte: Die Leere und das gezeichnete Ich. -

Franz Littmann

(Uwe Pfeifer, Bildnisse - Malerei und Zeichnungen, Galerie Supper Pforzheim, 23.3. bis 24.4.)

Quelle: Klappeauf  03.2004

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