Bildnisse
Malerei und Graphik
20. März 2004 bis 24. April 2004
Auf den ersten Blick nehmen wir als Betrachter die gesteigerten Präsenz mit der uns Uwe Pfeifers Porträtierte gegenüberstehen wahr.
Sie hat ihren Ursprung in der minutiös realistischen Wiedergabe jedes noch so kleinen Details. Jede Linie der Physiognomie, jede noch so kleine Falte und jede Pore der Haut werden sichtbar und geben damit nicht nur die äußerliche Erscheinung des Individuums wieder, sondern scheinen auch Zeugnis abzulegen von der Vergangenheit, vom gelebten Leben des Porträtierten und von seiner seelischen Verfassung.
Dem Maler gelingt es in psychologischer Durchdringung uns einen Eindruck von der Persönlichkeit des Dargestellten zu vermitteln. Wir meinen ein Individuum nicht nur mit seinen persönlichen Merkmalen vor uns zu sehen, sondern glauben auch den Menschen hinter dem Bild zu erahnen.
Im wahrsten Sinn des Wortes hautnah scheinen wir die Menschen zu erleben, die sich hinter der Darstellung verbergen.
Diese malerische und zeichnerische Perfektion und Akribie hat ihren Ursprung in der sog. Leipziger Schule. Uwe Pfeifer studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst u. a. als Schüler bei Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer.
Der Maler schöpft die ganze Palette der Porträt Varianten aus.
Seine Bildfiguren erscheinen ganzfigurig, stehend, als Sitzfigur oder angeschnitten, halbfigurig als Brustbild. Bei den Zeichnungen wählt er die Konzentration auf Kopf und Schulterbereich also die Büste.
Vor starkfarbigem oder monochromem Hintergrund bleiben sie allein ohne jegliche Beigabe oder Attribute ganz auf sich zurückgeworfen. Sie verweisen auf nichts außer auf die eigene Person und Persönlichkeit.
Auffallend und sicher nicht bedeutungslos ist der Umgang des Malers mit dem in aller Regel rechteckigen Bildformat. Es lässt nicht selten viel Platz, Freiraum so scheint es den die Porträtierten zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit benötigen.
In den Doppelbildnissen den sitzenden Frauenporträts „Bildnis I.B.“ oder „Bildnis Eva Z.“ sitzen die Porträtierten dem eigenen Alter-Ego gegenüber. Sie werden von verschiedenen Seiten betrachtet und vollführen eine In-sich-Drehung in der Körpermitte, so dass sie sich diagonal einander gegenüber stehen.
Während sie Kopf und Oberkörper in Dreiviertelansicht dem Betrachter zuwenden, schlagen sie die Beine von vorne nach hinten übereinander und schließen sich so im Bild ab. Das „Bildnis Eva Z.“ als Dyptichon zeigt die Porträtierte in derselben Haltung sich selbst spiegelnd zugewandt. Im diagonal gegenläufigen Schatten werden die Hälften quasi zusammengeführt.
In Vorder- und Rückansicht ebenfalls diagonal verschoben erscheint im querrechteckigen Format stark nach außen gerückt das „Bildnis I.B.“. Etwa ein Drittel des Bildformat in der Mitte bleibt leer, genauer gesagt bietet Raum zwischen dem doppelten Bild der Frau. Ebenso doppel-portraitiert ist die eine weitere weibliche Person, die sich hinter den Initialen B.Z. verbirgt. Sie erscheint in der linken Bildhälfte vor schwarz blau geteiltem Hintergrund, in der rechten im Profil ganz schwarz gekleidet vor einheitlich blauem Grund.
Der Sohn des Künstlers im Bild „Tobias vor Rot“ nimmt nur etwa zweidrittel der Bildhöhe ein. Der Dargestellte vermittelt in seiner ungeheurer Präsenz die Fähigkeit Pfeifers Persönlichkeitsstrukturen ins Bild zu bannen.
Nicht weniger präzise gibt der Künstler in den hier präsentierten Zeichnungen mit Rötel, weiß gehöht, auf farbigem Papier die Konterfeis wieder.
Fast Janusköpfig als Doppelbüste wächst das „Bildnis A.M.“ aus der Bildmitte heraus. Rücken an Rücken wenden sich die Ansichten im Dreiviertelprofil, jeweils unter Betonung der anderen Gesichtshälfte an den Betrachter. Sie adressieren, wie die meisten von Pfeifers Bildfiguren den Betrachter und vertiefen so die Beziehung zu ihm. Die Darstellung von verschiedenen Seiten steigert die Durchdringung und wird zu einem Beleg der umkreisenden Durchdringung durch das Auge des Künstlers, das sich schließlich im Bild manifestiert.
Regina M. Fischer M. A.