Malerei
08. Mai 2004 bis 05. Juni 2004
„Paradise Garden“, unter diesem
verheißungsvollen Titel präsentiert die Galerie Supper die vielschichtigen
Bildwelten des Malers Dag Seemann.
Rein inhaltlich besteht die Verbindung zur Paradiesvorstellung schon in den
Idealbildern jugendlicher Paare, die in isolierter Zweisamkeit immer wieder
auftreten.
In Nahansicht, oftmals wie heran gezoomt,
erscheinen sie, vom Bildrand stark überschnitten – ausschnitthaft, vor einem
einfarbigen Hintergrund.
Sie erinnern in ihrer Ästhetik an Computerbilder, Comicdarstellungen oder an
Werbegraphik.
Seemanns Figurenauffassung ist insgesamt stark flächig, kaum körperlich-plastisch, also im wahrsten Sinne des Wortes bildhaft. Selten nur werden einzelne Partien verschattet. Die Physiognomien, die eher stereotypen denn porträthaft – individuellen Charakter aufweisen, sind durch wenige stilisierte Merkmale wie Augen, Nasenhöhle und Mund gegeben und orientieren sich an gängigen, populären Schönheitsnormen.
Dabei folgt der Betrachter dem zuweilen
voyeuristischen Blick des Künstlers auf eine erotisch aufgeladene aber, so
scheint es, in ihrer betonten Freizügigkeit eher langweilende sexuelle
Begegnung.
In dieser Posenhaften, in ihrer eindeutigen Konnotation, Filmreifen Gestik,
scheint ein Phänomen unserer Zeit, der von den Medien propagierte Tabulosen
Umgang mit Erotik und Sexualität, das letztlich zum Gesellschaftsspiel ohne
wahre Leidenschaft erstarrt ist, klar durch den Künstler konstatiert.
Dieser plakativen Flächigkeit gegenüber steht in
anderen Arbeiten der sorgfältig aufgebaute Bildraum. Seemann selbst betont in
diesem Zusammenhang sein Interesse an den Raumkonstruktionen der Frührenaissance
und insbesondere an den Arbeiten des italienischen Malers Piero della Francesca.
Steil in den Bildhintergrund führende Diagonalen manifestieren die Tiefenausdehnung und schaffen einen für den Betrachter jederzeit nachvollziehbaren Bildraum. Hier haben alle Bildgegenstände auf verschiedenen Ebenen, regelrecht verortet, ihren festen Platz.
Es scheint als ob die einzelnen Bildebenen unterschiedlichen Bildwelten entsprechen. Die Bildfiguren sind eingebunden in eine parallele Realität einer modernen technischen Computerwelt. Hinzu tritt zuweilen eine dritte Dimension abstrakter geometrischer Formen oder krakeliger Computer-Lineamente.
Unsere heutige, stark von visuellen Eindrücken, also von vorgegebenen Bildern aus den Medien geprägte, Sehweise spiegelt sich auch in Dag Seemanns Arbeitsweise.
Die Inspirationen seiner Werke sind wiederum Bilder aus Magazinen, Film und Fernsehen oder der sozialen Erfahrungswelt des Beobachters Dag Seemann. Bilder, die nun zunächst aus ihrem ursprünglichen Kontext isoliert werden. Nun benutzt Seemann den Computer als Hilfsmittel bei der Bildvorbereitung.
Die Bildkomposition, zumal der präzise Umgang mit den Ebenen im Raum, lassen sich in diesem Medium rasch erproben. Farbkombinationen können erstellt und ebenso einfach wieder spurlos verworfen werden. Das Spiel mit den Möglichkeiten erlaubt den raschen Bildfindungsprozess. Erst danach wird das Motiv ins traditionelle Medium der Malerei, mit Öl- oder Acrylfarben auf Leinwand, übertragen. Hier steht das Individuelle, das Persönliche des Künstlers, im Vordergrund. Auch wenn die Oberflächen, bis auf wenige kontrastierend gesetzte malerische Partien, glatt sind, zeugen sie von der individuellen Hand des ausführenden Schöpfers. Übermalungen bleiben sichtbar und verraten die zuweilen tastende Umsetzung des Motivs, also auch die zeitliche Dimension der Werkgenese.
Seemanns Sehweise ist, wie die des heutigen Betrachters generell, stark von den Neuen Medien, also vom Computerbild von Film- und Fernsehbildern geprägt.
Deutlich wird dies im einblenden unterschiedlichster Zeit und Realitätsebenen innerhalb eines Bildes, das eine Analogie erfährt in der Möglichkeit verschiedene Fenster auf einem Bildschirm zu öffnen.
Erich Kästner sagte einmal:
„Die Erde soll
früher einmal ein Paradies gewesen sein. Möglich ist alles. Die Erde könnte
wieder ein Paradies werden. Alles ist möglich.“
Regina M. Fischer M.A., Kunsthistorikerin