Marion Anna Simon entfaltet in ihrer Malerei ein Spektrum, das die Gratwanderungen zwischen Zeitgeschehen, Gesellschaft, Selbstpositionierung, autobiografisch Erlebtem und aufmerksam Beobachtetem erfahrbar werden lässt. Simon saugt all diese Dinge des täglichen Lebens in sich auf, um ihnen in ihrer abwechslungsreichen Malerei eine neue Plattform zu bieten. Die Realitätsfragmente und -ausschnitte auf den Bildern Simons sind weder objektiv noch distanziert. Sie zeugen von einer emotionalen Anteilnahme der Künstlerin, gleich ob sie die Rolle der Beobachterin oder der Beteiligten innehat. Simon vermittelt dies durch eine besondere Perspektive, einen ungewöhnlichen Fokus oder die Kombination scheinbar zusammenhangloser Szenerien. In der Arbeit „Ich habe ihn gesehen, Rom“ (2006) etwa, geht Simon von einem wichtigen Erlebnis eines Familienmitgliedes aus, von dem diese Person bis heute zehrt. Doch nicht etwa die Mimik der Dargestellten erzählt die Geschichte: Vielmehr ist es das Zusammenspiel der Farben, der Körperhaltungen sowie der mediterranen Atmosphäre Roms, in der Architektur, Flora und wärmendes Licht miteinander verschmelzen.

Simon orientiert sich zwar an der Realität, doch nimmt sie Wertungen durch ihren Duktus vor, indem sie Wesentliches von Unwesentlichem trennt. Die Rezeption und Reflexion subjektiv und gesellschaftlich geprägter Realitätswahrnehmung vollzieht Simon in einer aufwändigen Überlagerung sowohl deckender als auch transparenter Farbschichten, die synonym sind für die Vielschichtigkeit einer Wahrnehmungs- und Erinnerungsarbeit: Gesichter verschwimmen bis zu Unkenntlichkeit, Perspektive wird verfremdet, manche Dinge verblassen, andere bleiben betont.

In malerischer Geste verwebt Simon ihre Bildelemente besonders durch die luzide Klarheit der Farben zu einer neuen Einheit, die nicht mehr den Gesetzen der äußeren Wirklichkeit gehorcht, sondern einer bildinternen Stimmigkeit folgt. Somit reflektiert die Malerei Simons gleichsam die Subjektivität und Modifizierbarkeit von Realitätswahrnehmung und -darstellung. Künstlerin und Betrachter sind somit angehalten, ihre Wertigkeiten zu hinterfragen und sich neu zu positionieren.                                                                                                                           

Asja Kaspers M.A

 

Marion Anna Simon wurde 1972 in Bitburg geboren. Im Anschluss an ihr Studium der freien Kunst mit den Schwerpunkten Malerei, Performance, Installation, Skulptur und Text von 1992-1998 an der HfBK in Hamburg bei Henning Christiansen, Ursula Reuter und Olav Christopher Jenssen wurde sie 2000 zur Meisterschülerin ernannt. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. war sie Stipendiatin in Dänemark (1995), Madrid (1996-97), Island (1998), der Schweiz (2000-01), des Landes Rheinland-Pfalz (2003-04) und Sylt (2007). Seit 1993 stellt sie ihr Werk in Gruppen- und Einzelausstellungen sowie auf Messen aus, darunter im Ludwig-Museum, Koblenz, im Martin Gropius-Bau, Berlin und in den Galerien Asbaek, Kopenhagen und Epikur, Wuppertal. Arbeiten von Marion Anna Simon sind im Besitz privater und öffentlicher Sammlungen.

 

Gegenüber Sparkasse / 2000

Aufgabe der Utopie ... / 2006

Kurpark verlogen / 2006

Das Glück ist gedankenlos / 2006