Andreas Wachter

 

"Ins Weite"

 

28. Januar 2006 bis 25. Februar 2006

Malerei

„Ins Weite“
 

Andreas Wachter ist einer der herausragenden Vertreter der zweiten Generation der momentan international so viel beachteten Leipziger Schule. Der 1951 in Chemnitz geborenen Maler absolvierte sein Studium als Schüler von Arno Rink und Volker Stelzmann an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

In dieser künstlerischen Herkunft hat Wachters gegenständliche Malerei und zuweilen altmeisterlich-lasierende Malweise ihren Ursprung.


Seine Gemälde wirken wie Erben einer langen kunstgeschichtlichen Tradition. Nicht allein, seine Bildfiguren, die zuweilen an El Grecos stark überlängte Gestalten erinnern, oder Landschaften, in denen er Elemente aus Böcklins „Toteninsel“ zitathaft einbaut. Es ist auch seine Raumauffassung und besonders die Lichtregie, die an die Hell- Dunkel Malerei gemahnt, wie sie um 1600 von Caravaggio eingeführt, eine rege Nachfolge vor allem in der spanischen Malerei des 17. Jahrhunderts und in der Kunst Neapels fand. Auch Andreas Wachter taucht Bildpartien Schlaglichtartig in ein gleißendes, an einigen Stellen visionäres, manchmal auch erschreckend kaltes Licht.

An anderer Stelle scheinen ganze Teile der Szenerie vom nachtschwarzen Dunkel verschluckt. Der Künstler selbst fand in einem Interview treffende Worte für den Eindruck, den diese drastischen Helligkeitsunterschiede erzeugen. Meine Bilder sind wie Türen, die man öffnet, und man schaut in einen Raum. Die Leute darin drehen sich kurz zu mir um und schauen mich an. Ich erlebe lauter Situationen vor denen ich genauso fremd dastehe wie die Leute, die mich angucken. Das hat mit diesen Innenräumen zu tun. Eventuell gibt es ja auch eine Situation, die ich gar nicht begreifen kann, aber die für mich interessant ist.“ (Zitat: Andreas Wachter, Mallorca Zeitung Nr. 259/Woche 17/2005)
Dieses Gefühl der Fremdheit gegenüber Situationen und anderen Menschen kann sicherlich jeder Betrachter aus dem eigenen Erleben nachvollziehen.
Darüber hinaus taucht der Maler seine Szenerien nicht selten in einen nebulösen, atmosphärischen Schleier, so als blicke man durch eine Dunstschicht auf eine traumhafte, visionäre Szene. Seine Bildfiguren scheinen zu schweben, nur selten stehen sie mit beiden Beinen fest auf der Erde. Dieses Anmutungshafte Wachterscher Figurenszenen wird auch unterstützt durch den Gegensatz aus rein aus der Farbe heraus entwickelten, malerischen Partien und linear-zeichnerischen Sequenzen, die aber nicht selten offen bleiben und damit auch nur teilweise festschreiben oder konkretisieren.
Rückenfiguren ziehen den Betrachter ebenso magisch in die Bildräume hinein, wie seine menschenleeren Landschaften angetan scheinen sich zumindest gedanklich, träumerisch in ihnen zu verlieren.
Fragmente, steinerne Torsi, ebenso wie eine große Zahl seiner Bildfiguren, scheinbare Zeugen einer lange zurückliegenden Vergangenheit, tauchen innerhalb der Figurengruppen auf, werden aber auch zu alleinigen Bildinhalten. Im diffusen Gegenlicht scheinen sie für einen Moment aus dem Neben der Geschichte aufzutauchen, gleichsam eine Ahnung zu vermitteln von vergangenen Tagen, historischen Abläufen. Kristallisationspunkten von Zeit und Macht, die nur noch als Abglanz einstiger Relevanz erscheinen.

Andreas Wachter lässt Ahnungen aufscheinen, intuitiv einzelne Aspekte erfassen, er lässt den Betrachter eintauchen in eine Welt der Gedanken und Reflexionen ohne feststehende Antworten zu geben oder tatsächlich, das ohnehin trügerische Gefühl von Erkenntnis zu vermitteln.

 

Regina M. Fischer M. A., Kunsthistorikerin