Innenräume
Malerei und Zeichnungen
31. Januar 2004 bis 28. Februar 2004
Liebe Kunstfreunde, meine Damen und Herren
Herr Supper hat ihnen ja den Künstler ANDREAS WACHTER bereits kurz vorgestellt, erlauben Sie mir nun einige Gedanken zu den hier ausgestellten „Innenraumbildern“.
Der Maler ist seiner Herkunft aus der Leipziger Schule insofern treu geblieben, dass er sich der figurativen Malerei verschrieben hat.
Unter dem Begriff Leipziger Schule fasst man die Entwicklung, die sich ab etwa 1960 um die Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst, dem prägenden Studienort eben auch für den Maler Andreas Wachter, etablierte. Der Name selbst wurde ab den frühen 70er Jahren gebraucht. Es handelt sich um eine der Figuration verpflichtete Malerei, die durch ihren hohen künstlerischen Anspruch und den besonderen Stellenwert der auf die handwerkliche Ausarbeitung gelegt wurde überzeugte. Eine bewusste oder stärker intuitive Gesellschaftsanalyse sichert den in diesem Umfeld entstandenen Werken eine über ihre Entstehungszeit hinausweisende Bedeutung.
In Wachters persönlicher künstlerischer Entwicklung stand nicht immer, wie hier in diesen Werken, der Innenraum im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Vormals erschienen die Figuren vor oder besser gesagt in einer Landschaft oder vor einem farbigen und räumlich nicht definierten, zuweilen monochromen Hintergrund.
Erst seit einiger Zeit tritt nun der Raum in Erscheinung, genauer gesagt Figuren bzw. Figurengruppen in einem Raum. Dabei sind es besonders leere und halbleere Räume, die den Künstler faszinieren.
Zuweilen ist es auch der Raum als solcher, wie hier im Gemälde Villa I., der figurenleer als einziges Element der Künstlerischen Auseinandersetzung erscheint. Wachter beschreibt den eindrucksvollen monumentalen, ja in seiner aller Einrichtungsgegenständen entkleideten Erscheinung sogar überdimensioniert wirkenden Raum der Antike.
Wachters Innenraumszenen schildern dabei nie abbildhaft eine äußere Wirklichkeit, sie erzählen keine Geschichten oder Handlungsabläufe. Es werden eher unbenennbare, verbal nicht fassbare Beziehungen im ganz wörtlichen Sinne verbildlicht. Diese nicht konkret fassbaren Beziehungen eröffnen sich am ehesten dem erinnerten Erleben des individuellen Betrachters. In jedem Menschen werden dabei andere Saiten und Assoziationen, bezogen auf den eigenen Erfahrungsschatz, wachgerufen. Dem Künstler widerstrebt es diese Gefühle, Stimmungen und auch die unausgesprochenen Verbindungen, die zwischen Menschen entstehen, zu konkretisieren und damit, wie er selber sagt, zu zerreden. Erzeugen doch alle menschlichen Emotionen, Liebe, Hass, Leid, Glück oder Einsamkeit ganz eigene, kaum benennbare Emotionen.
Dementsprechend spiegelt sich in seinen Bildern auch eher eine innere Wirklichkeit, wird Allgemeinmenschliches spürbar.
Die einzelnen Bildfiguren sind dabei fast nie vordergründig durch Blickkontakt aufeinander bezogen. Sie stehen nicht miteinander im Dialog oder kommunizieren untereinander.
Es ist eher die Nähe, die Anordnung im Raum, die unausgesprochene Beziehung innerhalb der Gruppe, eine nur angedeutete Handgeste, die die intime, eher geistige Verbindung schafft. In diesem Zusammenhang interessant sind auch die Blickrichtungen der Bildfiguren, die nur selten den Betrachter adressieren, oft in die Tiefe des Bildraums gerichtet oder nach innen gerichtet, unfixiert erscheinen.
Alltägliche Gegenstände, wie der Einkaufswagen oder ein Messrad zum Straßenbau tauchen zwar im Bild auf, sind aber ihrer banalen Bedeutung erhoben und erhalten einen weit darüber hinausreichenden vielschichtigen Bezug.
Einige der Protagonisten erreichen eine stark körperhafte Präsenz, während andere schemenhaft, fast nebulös, in Auflösung begriffen zu sein scheinen. Alle jedoch haben einen Platz innerhalb des Bildraumes, auch dann wenn sie gleichsam schwebend erscheinen. Diese Stimmigkeit des bildinternen Raumgefüges, weist auf Wachters intensive Auseinadersetzung mit der Kunstgeschichte, sie hat ihre Parallel in der Raumerfassung der Renaissance.
Auffallend ist die Farbigkeit, die zwischen den Polen Weiß und Schwarz, dem hellen Licht und tiefen Dunkel innerhalb des Raumes, zahllose Abstufungen in Grauwerte erreicht. Darüber hinaus beschränkt sich die Palette auf die Grundfarben Rot, Gelb und Blau, die in letzter Zeit, eher aufgehellt mit Weiß, unterschiedlichste Schattierungen erreichen. Intensiv glühende Farbpartien leuchten akzentuierend aus der Umgebung heraus. In Wachters Schaffen stehen Malerei und Zeichnung nebeneinander, die malerischen Arbeiten sind in Acryl und ÖL auf Leinwand. Bei den Zeichnungen liegen lineare Gefüge in Pastell über farbig definierten Partien.
Regina M. Fischer M. A.