Thomas Kostecki

Mystische Reisen"

(Phantastischer Realismus)

Malerei

18. Oktober bis 15. November 2003

 Karin Hoffmann - Kontny

 

Vor jeder Reise steht ein Traum.

Man wünscht sich andere Zeiten, andere Orte, andere Menschen oder  andere Umstände.

Manchmal wünscht  man sich sogar, ein Anderer oder eine Andere sein zu können.

Traum-Reisen sind gedankenspielerische Grenzüberschreitungen in eine Welt jenseits des Alltäglichen.

Andere Zeiten, andere Orte verlangen auch nach andersartigen Bildern.

Arbeiten wie die des Berliner Künstlers Thomas Kostecki, die Sie, meine Damen und Herren, heute Abend auf eine andersartige, auf eine mystische Reise mitnehmen wollen.

Jedoch: eine solche Reise verspricht nicht nur bloße Erholung, sondern sie fordert mehr von den  Mitreisenden.

Denn die gedankenspielerische Reise, auf der Sie der Magister Ludi, der Spielmeister und Künstler Kostecki begleitet und geleitet, lebt von und mit ihren Mitspielern und Mitspielerinnen.

Die mystische Reise steht dem Betrachter offen, läßt er sich auf den Gang in das geistiges Innere ein, der zugleich den Blick auf unterschiedliche Dimensionen der äußeren Welt eröffnet.

Die Ebenen einer Welt aus zusammengesetzten Bausteinen der Geschichte der Menschheit.

Die eine Ebene nicht ohne die andere denkbar.

 

Thomas Kostecki taucht mit seinem in Ölfarbe gebadeten Pinsel ein in vergangene Tat-zeiten und Tat-orte.

Ausdauernd seziert er die Geschichte und läßt keinen Augenblick unbeachtet.

Präzise und detailliert malt er dem Betrachter das geheimnisvoll weite Universum vor Augen, das noch so viel zu sagen, so viel zu verbergen hat.

Ein rätselhaftes Spielfeld dient dem Reisenden als Landkarte.

Ein Schachbrett – das Spielbrett des Lebens – auf dem Zug um Zug unzählig reiche Szenen am Betrachter vorbei streichen:

Die nie gekühlten Visionen vom Fliegen, die Horizonte der nach vorwärts träumenden Gedanken der Erfinder.

Die über das unendliche Meer hinaustreibenden Illusionen der Entdecker, die Ahnung des Unmöglichen, die Bezauberung der Ferne und die Suche nach der Vollkommenheit der Welt.

Auf der Reise in und mit den Bildern des Künstlers begegnen dem Betrachter die Traum-Reisen der Vor-geschichte, begegnet er anderen Vor-stellungen vom idealen Reiseziel.

Da ist die Vision eines Galileo Galilei, der die Grenzen des bisher geltenden ptolemäischen Weltbildes sprengte.

Ein Mann, der es selbstvergessen und todesmutig wagte, die Welt auf den Kopf zu stellen, weil er ahnte – und es auch zu belegen wußte – dass der Horizont weiter war, als man bisher dachte.

Oder die Tabula Smaragdina, die Smaragdtafel mit ihren dreizehn Gesetzen, die das wohl begehrteste Reiseziel bzw. –Objekt damaliger Zeiten verspricht: den Stein der Weisen.

Ein Stein, der, so man ihn endlich besitzt, Einsicht in die tiefsten Weisheiten des Lebens ermöglicht.

Jede dieser irrationalen, gegen jeglichen Verstand verstoßenden Szenen, die dem Betrachter auf dem Spielbrett der Reise begegnet, könnte einer des eigenen mutig überschreitenden, (geschichts-) verwandelnden Träumen und Denkens sein.

Aus Vor-zeiten erreicht der Klang eines übermenschlichen Lachens unsterblicher Heiterkeit – vielleicht das eines Engels – die Jetzt-Zeit und weißt ewig in die mögliche Zukunft.

In Kosteckis Traum-Reisen wird der Mensch über-mütig.

Er ist bewegter Passagier, in den Zeiten und Orten spielerisch wechselnd unterwegs.

Die im Alltag gültigen Spielregeln verwischen sich von Traumsequenz zu Traumsequenz.

Es gibt kein gewinnen und verlieren.

Nur diese Reise, dieses Spiel, in dem  man, hat man sich zum Mitspielen entschlossen, unendlich neugierig ist.

Bereit zu entdecken, dass in jedem Moment, in jedem Spielzug das Daseinsrätsel steckt.

Dass jeder Augenblick Zeuge eines Anfangs ist, der ohne den vorherigen Zug nicht möglich gewesen wäre.

Bereit zu entdecken, dass das Woher auch immer das Wohin bedeutet.

Und dass das Ziel des Spiels, der Reise, die paradiesische Einheit aller Elemente und Gegensätze, die Zusammenschau von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist.

 

Mit diesem lebendigen, mit Horizonten und Utopien angefüllten Geist des Spiels hat der betrachtende Mitspieler all das Gepäck bei sich, das nötig ist, um sich in das vorgemalte Land Künstlers Thomas Kostecki hinaus zu wagen.

Mutig träumend vermag er vielleicht sogar die Grenzen dieser Reise-Bilder zu überschreiten und ihnen schöpferisch andere Farben, andere Orte oder andere Zeiten zu verleihen.

Nur ein selbstbewusster und zugleich selbstvergessener Schritt trennt Sie, meine Damen und Herren, vom Spieleinsatz, von Ihren Träumen...

Worauf warten Sie noch?

Gute Reise!