Monika Taffet, Monika Thiele,

Patricia Waller und Bertram Konrad

 

"zu Tisch"

 

26. November 2005 bis 24. Dezember 2005

Malerei, Zeichnung, Fadenzeichnung und Häkelarbeiten

„Zu Tisch“

Zum Jahresende treffen in einer Gemeinschaftsausstellung  vier völlig heterogene Künstlerpersönlichkeiten und künstlerische Positionen aufeinender. Sie zeigen unter dem Titel „zu Tisch“ Arbeiten in höchst unterschiedlichen Techniken und evozieren, durch ihre verschiedenartigen Ansätze mannigfaltige Assoziationen.
Die  traditionelle Gattung des  Stilllebens erscheint durch Fokussierung, Konzentration und neuartige malerische Präsenz zeitgemäß übersetzt, Alltagsriten werden hinterfragt und eine Kulturgeschichte des Essens angerissen.

Bertram Konrads Stillleben- und Tischarrangements scheinen, in reduzierter Farbigkeit, eher ausschnitthaft eine Teil-Realität wiederzugeben. In seiner neuartigen Technik lasierte Gelatinefolien in die malerische und zeichnerische Gestaltung mit einzubeziehen erreicht er eine partielle Verdichtung.  Nach dem Muster eines „Bildes im Bild“  integriert er  Schilderartigen Ausschnitte. Diese stechen hervor durch ihre hohe Plastizität, sie erscheinen fast Dreidimensional. In ihrer Wirkung erinnern sie an Hologramme. Daneben stehen zeichnerische und malerische Partien von hoher Sensibilität und bewusst belassene Leerstellen. Konrad reflektiert einen, weniger auf Breite angelegten Sinneseindruck.  Er fokussiert Teilbereiche und reflektiert damit die, nur Bruchstückhafte Wahrnehmung von Wirklichkeit, die sich in ihrer ganzen Komplexität dem Betrachter stets entzieht.

Auch die in Berlin lebende Künstlerin Monika Taffet widmet sich in ihrer Malerei dem Stillleben, ebenso wie weiteren tradierten Themen etwa der Landschaft und dem Interieur.
Die herausragende Rolle spielt für sie die Farbe. Aus bis zu fünfzehn Farben mischt sie ihre subtilen, nicht selten gebrochenen Nuancen und erreicht so eine ungeheure Stimmigkeit der Farbwirkung. Neben diesen feinen Valeurs ist es die Materialität, die ihren Bildern eine besondere Wirkung verleiht. Der auffallend pastose Farbauftrag, zuweilen noch gesteigert durch das Einarbeiten von gefalteten Textilien, ergibt eine plastische, schrundige Oberfläche.
Das Motiv bleibt dem Gegenständlichen verhaftet, wird aber durch den Verzicht auf Konturen und Linien, rein aus der Farbe heraus wahrhaft geformt. Dank dieser formalen Reduktion lässt Taffet die Dingwelt neu erstehen.

Monika Thiele ist vertreten mit einer Reihe von Stilllebenhaften Zeichnungen, die rein mit dem bildnerischen Mittel der farbigen geraden Linie, gezogen mit Filzstift und Füller, auskommen. Aus der Vogelperspektive bildet sie Leckereien fertig angerichtet zur Mahlzeit ab. Daneben steht eine Arbeit in Thieles innovativer Technik der Fadenzeichnung. Die Fadenlinie wird dabei, analog zur gezeichneten Linie zum autonomen Bildmittel. Ohne Vorzeichnung und unterlegte Farbfläche, nur mit dem Mittel der Linie, eben eines, mit Hilfe einer Nadel gezogenen Fadens auf Organza, schafft sie eine realistische, fast fotografisch genaue Wiedergabe. Im wörtlichen Sinne baut sie, analog zur Komplexität der menschlichen Persönlichkeit, der ihr künstlerisches Interesse gilt, ein feinfädiges Gewebe auf. Hier in der Ausstellung sehen wir, stark ausschnitthaft, wie fokussiert, eine Frau in der Versunkenheit ihrer alltäglichen Verrichtung. Gedankenverloren während der morgendlichen Tasse Kaffee. Eingesponnen in den individuellen Lebensrhythmus und das eigen Universums der Gedanken und Sehnsüchten.
 

Einen ganzen Tisch gedeckt hat Patrizia Waller mit ihren hintergründigen Häkelarbeiten. Quasi beiläufig thematisiert sie die kulturhistorische Verbindung zwischen der weiblichen Determiniertheit der Textilkunst und der historischen Kategorisierung in hohe oder freie Kunst und Kunsthandwerk. Daneben serviert sie eine kleine Kulturgeschichte des Essens. Sie lädt ein ins Schlaraffenland, jener menschlichen Sehnsucht geboren, aus der Entbehrung und der urmenschlichen Angst vor dem Hunger. Beschreibt den Überfluss auf deutschen Tischen, seit der Zeit des Wirtschaftswunders, eine (spieß)-bürgerliche Bewirtungskultur und deren Wandel. Einladend und appetitlich angerichtet, bis ins kleinste Detail gewürzt, serviert sie uns traditionelle Hausmannskost, angesagtes Sushi und exotische Speisen.

Anspielungsreich, witzig, ironisch, mit feinem Hintersinn erscheint beispielsweise der „Fisch im Teigmantel“, die „Haifischflossensuppe“ oder die „verkehrte Meerjungfrau“.

Regina M. Fischer M. A., Kunsthistorikerin